Karibik – Tagebuch III – Vom Black River über Pigeon Island nach Kingston
Seite 22 – Von scharfem Gemüse und gefährlichen Tieren…
06.04 – 09.04.2026
Ostermontag erreichen wir Black River – hier traf im Oktober 2025 der Hurrikan „Melissa“, ein Wirbelsturm der höchsten Kategorie auf Land und hinterließ ein Bild der Verwüstung. An der Seeseite sehen wir kein intaktes Haus mehr und auch viele Boote sind in Mitleidenschaft gezogen.
Der Black River ist ein bekanntes Ausflugsziel als Heimstadt für Krokodile. Wir hatten einen privaten Guide angefragt, aber keine Antwort erhalten. So machen wir uns mit unserem Dinghy selbst auf den Weg. Der Black River ist der längste Fluss in Jamaika. Wir passieren den Ort Black River und die Station für die Ausflugsboote – auch hier sind nicht mehr alle intakt.
Der Fluss strömt uns entgegen und treibt Wasserhyazinten, Schwimmfarn und Seerosen an uns vorbei. Die Bäume, Mangroven und Sträucher am Flussufer bieten ein trostloses Bild, auch ihnen hat der Hurrikan kein Blatt gelassen.
Aber die Natur hat bereits begonnen Terrain zurück zu erobern und wir sehen zwischen trostlosen Bäumen ein Blütenmeer von Wasserhyazinten und weißen Seerosen und einige Bäume und Büsche schlagen auch wieder aus. Die hier heimischen Kuhreiher haben ihre Nester in die kahlen Gehölze gebaut. Wir fahren gut zwei Stunden den Fluss hinauf bis wir das Ausflugslokal von Sister Lou erreichen.
Auch hier hat „Melissa“ gewütet und Lou ist beim Wiederaufbau – „es kommen dieses Jahr sowieso kaum Touristen“ sagt sie und bietet uns kalte Getränke an. So legen wir an und genießen den immer noch idyllischen Ort. “ Wir haben noch kein Krokodil gesehen“ klagen wir und bitten um Tipps, wo wir die Tiere finden können. „Auf dem Rückweg werdet ihr Krokodile sehen“ verkündet sie uns zuversichtlich “ in der Mittagssonne kommen sie an die Oberfläche oder an Land, um sich zu sonnen.“
Gestärkt treten wir die Rückfahrt an und halten Ausschau auf dem spiegelglatten Fluss nach Reptilien, aber kein Krokodil lässt sich blicken. Als wir fast am Ende unserer Reise angekommen sind haben wir dann doch noch Glück…
Nach unserem knapp vierstündigen Ausflug auf den Black River kehren wir zurück zur „Joline“ und lichten gleich den Anker um weiter zu fahren. Bis Mittwoch wollen wir die Hauptstadt Kingston erreichen und da müssen wir uns langsam sputen. Wir machen über Nacht Stopp in der Great Pedro Bay – hier stehen schöne Villen am Strand und wir haben offensichtlich das Aufprallgebiet von „Melissa“ verlassen, hier ist die Welt wieder intakt.
Sabine hat auf dem Markt in Savanna la Mar drei Scotch Bonnets gekauft – kleine, äußerst scharfe Paprika, die hier gerne zum Würzen von Speisen genommen werden. Mit einem einheimischen Rezept über Jerk – Chicken hat sie Hühnchen in eine damit hergestellte Marinade eingelegt und so gibt es am Abend ein original jamaikanisches Gericht, zubereitet von einer deutschen Hausfrau.
Am nächsten Morgen geht es schon in aller Frühe weiter, heute müssen wir einen längeren Schlag machen, damit wir es rechtzeitig ans Ziel schaffen. Wetter und Wellen sind uns holt und so erreichen wir zum Mittag unsere letzte gemeinsame Ankerbucht – Pigeon Island.
Auf der ansonsten unbewohnten Insel gibt es ein kleines Fischercamp. Wir fragen an wegen frischem Fisch und die Fischer versprechen uns Fischlieferung für den nächsten Morgen, da sie in der Nacht rausfahren. Gern genommener Tauschartikel: Alkohol
Die kleine Insel liegt zwischen zwei Riffen und so versuchen wir als erstes unser Glück beim Schnorcheln. Das Wasser ist sehr flach aber reich an Schwebstoffen und der Boden ist weitestgehend sandig – keine idealen Bedingungen für anspruchsvolle Schnorchler.
So genießen wir vor allem die Ruhe und die friedliche Aussicht an diesem Ankerplatz.
Am Morgen kommt Zachari, der Fischer, mit seinem Boot vorbei und wir suchen uns eine handvoll Snapper aus, die er für uns fachmännisch ausnimmt. Beim Preis sind Naturalien gefragt, aber auch ein bisschen Bargeld – immerhin hat er zu Hause sechs Mäuler zu stopfen.
Wir werden uns schnell handelseinig und so hat der Fischer ein gutes Morgengeschäft gemacht und wir haben frischen Fisch für die nächsten Tage.
Dann heißt es zum letzten Mal Anker hoch für die letzte Etappe nach Kingston. Am Nachmittag erreichen wir die Hauptstadt und ankern vor dem Royal Jamaika Yacht Club – auf einem kleinen Eiland vor der Stadt, auf dem sich auch der Flughafen befindet. Es ist über einen Damm mit der Hauptinsel verbunden und ein guter Ausgangspunkt um die Stadt zu erkunden.
Im Club stehen uns Pool, Bar und Duschen zur Verfügung und ein Dinghysteg – idealer Ein- und Ausstiegspunkt für unsere Gäste.
Am Donnerstag ist Sabines letzter Tag ihrer Reise mit uns angebrochen und dieser soll genutzt werden um die Hauptstadt Kingston etwas näher kennen zu lernen.
Wir fahren mit dem Bus nach Downtown und sind sofort mitten im Getümmel.
Letzte Gelegenheit für Sabine noch etwas zu shoppen und für die Lieben daheim einzukaufen. Das Angebot, vor allem an Kleidung, ist riesig, wenn auch meistens… made in China…