Karibik – Tagebuch III – Jamaika – ein holpriger Start
Seite 17 – Putzpartys, Spülorgien und anderer Zeitvertreib…
20.03. – 22.03.2026
Die Überfahrt fängt etwas wellig an, der Wind bringt auch die See in Wallung. Immerhin treibt er uns auch mit 8,5 Kn unserem Ziel Jamaika entgegen. Doch wie vorhergesagt flaut der Wind im Laufe der Zeit ab, dreht sich für uns in die richtige Richtung. In der Nacht schläft er fast völlig ein, so daß wir den Motor anwerfen müssen um weiter zu kommen. Na ja, andere Hobbys kosten auch Geld… Dafür liegt das Meer und damit unser Boot schön ruhig. Am Morgen kommt auch wieder Wind für uns auf und wir können noch mal die Segel setzen. Zum Frühstück ist schon in der Ferne Jamaika in Sicht.
Um 14 Uhr erreichen wir frühzeitig die Bucht vor Montego Bay – so weit so gut. Eine freie Boje können wir nicht ausmachen, also suchen wir uns ein freies Plätzchen und werfen den Anker. Das klappt auch ganz gut. Nicht so gut klappt es mit dem Kontakt mit der Marina, die sich einfach nicht meldet. Ein einheimischer Skipper nimmt dann noch mal per Telefon Kontakt auf und auf dem Rückweg nochmals, nach gut 45 Minuten meldet sich endlich die Marina vor der wir ja direkt liegen. Erst wollen die Offiziellen zu uns kommen, dann sollen wir zum Einklarieren in die Marina kommen – beide. Also machen wir uns mit dem Dinghy auf. Die Marina ist durch den Hurrikan Melissa, der im Oktober 2025 Jamaika getroffen hat sehr in Mitleidenschaft getroffen worden – die Anlagen sind in vielen Bereichen zerstört. Im Office werden wir freundlich begrüßt, da hier Englisch Amtssprache ist, ist die Verständigung kein Problem.
Wir werden er einmal mit einem Haufen Formulare überschüttet, die hier alle noch handschriftlich ausgefüllt werden müssen: Zoll, Gesundheitsbehörde, Einwanderung… das dauert… und scheint irgendwiw umfangreicher als in den bisherigen Ländern. Die Damen und Herren von der Gesundheitsbehörde sind gleich zur Stelle, nachdem wir versichert haben, dass wir keine Tiere an Bord haben und Fleisch nur in haushaltsüblichen Mengen sind sie zufrieden und ziehen mit ihrem Anteil der Papiere wieder ab.
Mittlerweile ist 15:30 Uhr und Zoll und Einwanderungsbehörde lassen immer noch auf sich warten. Jetzt werden wir von der Info überrascht, dass, wenn die fehlenden Officers nicht bis 16 Uhr eintreffen müssen wir eine Overtimegebühr von 80 USD zahlen… Wir intervenieren, wir waren ja um 14 Uhr bereits hier. Wir werden erst einmal vertröstet, abwarten was die Officers sagen…
Die Zeit verstreicht, die Mitarbeiter der Marina gehen nach und nach ins Wochenende, die beiden Officers trudeln ein, einer kurz nach 16 Uhr, der andere eine halbe Stunde später. Diese sind sehr freundlich, professionell und schnell. Wir klären mit den Officers, dass sie keine Overtimegebühren berechnen. Die letzte Dame im Marinaoffice ist aber fest entschlossen 80 USD einzufordern…. sie macht uns jetzt noch eine Verbindung zur Leiterin des Goverments…. so Leute sind ja immer gut zu erreichen… Die Dame erklärt uns am Telefon, dass wir zahlen müssen, die Officers hätten da gar nichts zu sagen. Wir erklären, dass wir selbstverständlich gerne zahlen, wenn wir eine offizielle Rechnung mit Behördenstempel bekommen (was auch üblich ist). Das wiegelt sie ab, Rechnungen nur einmal monatlich… für uns auch kein Problem, wir bleiben ja einen Monat… Am Ende ziehen wir ab ohne etwas zu bezahlen und sagen zu in Kontakt zu bleiben und wieder ins Office zu kommen. Kurz vor 17 Uhr sind wir dann mit der Prozedur durch, so lange hat das noch nirgendwo gedauert… Wir fühlen uns übers Ohr gehauen, das ist uns in all den Ländern in denen wir bisher waren und das waren einige, noch nicht passiert.
Naja, erst einmal zum Boot, nach der durchfahrenen Nacht sind wir auch rechtschaffend müde und mittlerweile ist es schon stockdunkel.
Der Wind frischt auf, es wird schaukelig und dann dreht der Wind und unseren Anker rutscht. Also wieder ans Steuer – jetzt muss mitten in der Dunkelheit der Anker per Hand an Bord gezogen werden (die Ankerwinsch ist immer noch ausser Betrieb). Das heißt erst einmal Ankerballett zwischen den Booten mit einem Anker der in die eine Richtung zieht und ein Wind der in die andere Richtung bläst. Jamaika fängt an uns ziemlich auf die Nerven zu gehen.
Nachdem wir den Anker endlich an Bord haben, brauchen wir einen neuen Ankerplatz, hier zwischen den Booten wird das im Dunkeln nicht funktionieren. Also fahren wir erst einmal hinaus vor die Stadt – an vielen Stellen ist das Wasser hier sehr flach – und werfen dort unseren Anker. Hier liegen wir recht ruhig – leider mit Musikbeschallung – es ist halt Freitagabend…
Am nächsten Morgen hat der Wind weiter gedreht und wir liegen wieder voll in der Welle. Das Boot tanzt und schaukelt – hier wollen wir auch nicht bleiben. Näher an Land haben wir Windschutz – also Anker wieder raus aus dem Wasser und Boot in Strandnähe. Hier liegen wir jetzt ruhig und mit idyllischer Aussicht. Jamaika muss sich langsam bemühen uns zu gefallen – der Einstand war bisher nicht der beste.
Am Abend sollen unsere Gäste an Bord kommen, also heißt es erst einmal Boot klar Schiff machen, Wäsche waschen und Kabinen vorbereiten – damit sind wir erst einmal eine ganze Zeit beschäftigt. Anschließend machen wir uns auf, um einen Platz zu finden an dem wir die Gäste ins Dinghy einladen können. Der Steg von Marina und Strandrestaurants Pier 1 ist da die einzige Option. Die Lokation ist vom Hurrikan Melissa letzten Oktober sehr in Mitleidenschaft gezogen worden, der Steg stark ramponiert. Die Aufbauarbeiten laufen und auf Nachfrage bekommen wir auch ein Plätzchen zugewiesen. Über eine Betontreppe geht es dann eine Etage höher ins Restaurant – hier ist schon wieder alles in Betrieb und wir genießen den Nachmittag bei Cocktails und Jamaikanischen Essen.
Abschließend besuchen wir noch den Supermarkt im nahegelegenen Einkaufszentrum und sind erst einmal über die Preisgestaltung ernüchtert. Das trifft uns unerwartet, sollten die Preise für Fleisch, Obst und Gemüse doch 50 bis 60 Prozent unter denen auf den Cayman Islands liegen. Eine Einheimische zieht uns ins Gespräch und versichert uns, dass man auf dem Lokalmarkt – ein paar Straßen weiter in der Altstadt billiger einkaufen kann, aber hier wäre die Qualität besser zu guten Preisen. Das klingt nicht sehr vielversprechend…
Wir kaufen erst einmal ein Brot fürs nächste Frühstück und warten bei einbrechender Nacht auf unsere Gäste – doch die kommen nicht….
Nach Kontaktaufnahme per WhatsApp stellt sich heraus – sie kommen gar nicht mit dem Abendflug – wie ursprünglich geplant, sondern erst am nächsten Morgen.
Auch gut, wir sind ja vor Ort. So sind wir noch eine Nacht alleine auf Joline und werden vom Livekonzert am Strand in angenehmer Lautstärke beschallt. Es scheint sich um wechselnde Gruppen zu handeln und so ist die Musik mal weniger und mal mehr nach unserem Geschmack…