Karibik – Tagebuch III – Schnorcheln am Mesoamerikanischen Riff
Seite 10 – Wiedersehen mit Guanaja…
13. – 17.02.2026
Hier hinter dem Riff liegen wir ausgesprochen ruhig. So wird es eine entspannte Nacht und am Morgen begrüßt uns die Sonne.
Da wir schon im April letzten Jahres auf unserem Weg von Kuba in den Rio Dulce von Guatemala Station gemacht haben, kennen wir uns hier schon gut aus und es ist sozusagen ein Wiedersehen.
Die Kanadier Diana und Ken vom Nachbarboot kommen vorbei um „Hallo“ zu sagen – sie sind auf dem Weg zurück in den Rio Dulce.
Wir lassen es nach der Überfahrt erst einmal ruhig angehen und verbringen den Tag an Bord.
Am nächsten Tag machen wir uns mit den Dinghy auf – es gibt eine Durchfahrt auf der Insel Guanaja auf die andere Inselseite und dort treffen wir auf die Ausläufer des gleichen weitläufigen Riffs, an dem wir schon in Belize geschnorchelt sind, übrigens das zweitgrößte der Welt nach dem Great Barrier Reef in Australien.
Es ist das Mesoamerikanische Riff, es erstreckt sich über rund 1.000 km entlang der Küsten von Mexiko, Belize, Guatemala und Honduras und ist das größte Korallenriff der westlichen Hemisphäre.
Hier am Michael Rock haben wir schonmal geschnorchelt, aber da es ein echtes Highlight war machen wir uns nochmals auf. Zuerst sind wir allerdings etwas ernüchtert, der gepflegte Sandstrand vom letzten Mal ist mit getrocknetem Sargassogras überzogen. Das sieht nicht nur nicht gut aus, es stinkt auch… Aber die Unterwasserwelt entschädigt uns.
Leider ist das Sargassogras auch eine Brutstätte für Sandflöhe. Sie erwarten uns schon auf unserem Dinghy als wir vom Schnorcheln zurück kommen. Leider haben wir die kleinen Flöhe unterschätzt – zwar verschwinden sie vom Fahrtwind, aber vorher haben sie sich noch an uns gütlich getan. Die Bisse zeigen sich erst einen Tag später und ehrlich gesagt – Mückenstiche sind angenehmer…
Auf dem Rückweg machen wir noch Station bei den deutschsprachigen Booten in der Bucht, Eine österreichische antike Holzmonohull und eine deutsche Salondeckjacht. Wir machen ein bisschen Smalltalk, dann kehren wir zur JOLINE zurück.
Am Montag haben wir unseren Termin bei der Immigration. Auf dem Weg treffen wir die Österreicher, die schon wissen, dass das Büro erst am Nachmittag geöffnet wird, da der Officer eine Videokonferenz hat… also kehren wir wieder um und machen uns nach dem Mittagessen erneut auf den Weg.
Diesmal ist der Officer vor Ort und er kann sich auch noch an unser Boot erinnern… der Name JOLINE bleibt im Gedächtnis wegen dem – scheinbar – gleichlautenden Lied: „Joleen“.
Da wir am Dienstag ein gutes Wetterfenster haben um zu den Cayman Islands weiter zu segeln damit wir diese vor dem angekündigten Sturm am 24.02. zu erreichen – wollen wir direkt Ein – und Ausklarieren.
Der Officer ist willig und macht auch gleich die Ausreise – Zarpe fertig, für die wir ein zweites Büro hätten anlaufen müssen. „Damit es schneller geht“, sagt er und fängt an zu fabulieren… über die Erziehungsherausforderung mit seinen beiden Töchtern, die Familie seiner Brüder und Schwestern, seine traumatischen Kindheitserlebnisse mit Hunden, die politische Lage in Honduras im Allgemeinen und auf Guanaja im besonderen, das paradiesische Leben im kleinen Inselort Bonacca… und schon sind wir eine Stunde älter… soviel zur Zeitersparnis.
Anschließend geht es ans Bezahlen der Dokumente. Da er kein Kartenlesegerät hat ist Barzahlung angesagt. Da wir Freitag nach Büroschluss eingelaufen sind, brauchen wir jetzt für Samstag und Sonntag einen kostenpflichtigen Tagespass (das hat die Regierung Honduras vor kurzem neu beschlossen). Die Landeswährung Lempira haben wir nicht, US – Dollar nimmt er auch – aber so viel Bargeld haben wir nicht dabei.
Also macht sich Bernd auf zur Bank…ist nur ein paar Häuser weiter. Er bekommt 2000 Lempira – das reicht nicht ganz – der Rest dann halt in US – Dollar. Wir haben aber nur einen 20 Dollar Schein, den kann er nicht wechseln… wir würden auch Lempira nehmen… soviel hat er noch nicht eingenommen, wir sind heute erst der zweite Kunde… also nochmal los, noch 500 Lempira gezogen – einen 500 Lempiraschein kann er auch nicht wechseln – also zum nächsten Geschäft, eine Cola kaufen, dann finden wir geldtechnisch endlich zusammen.
Zwischendurch bekomme ich noch eine Abhandlung über kundenfreundlichen Service, er erklärt mir genau alle Papiere und entschuldigt sich für die zusätzlichen Wochenendkosten… wenn es nach ihm ginge, aber die Regierung…
Mittlerweile wird es schon knapp mit dem Einkauf, da die Geschäfte schließen. Im Gemüseladen hauen wir noch unsere neuen Lempiras auf den Kopf und dann müssen wir uns schon beeilen, um noch im Hellen zum Boot zurück zu kommen, da die Bucht einiges entfernt vom Ort liegt.
Auf dem Weg verteile ich noch eine Tüte Lollis, die ich ursprünglich für Kuba gekauft hatte, um sie dort an die Kinder zu verteilen. Aber hier finde ich auch dankbare Abnehmer und so ist die Tüte schnell leer.
Für Vorbereitungen zum Weitersegeln ist es jetzt auch zu spät, seit 18 Uhr ist es stockfinstere Nacht. Also Morgen Wecker auf 6 Uhr gestellt, damit wir um 8 Uhr zügig los kommen.
Das Konstrukt, kostenlose Einreise während der Bürozeiten an Werktagen, ausserhalb dieser Zeiten auf den Caymans saftige Overtime – Gebühren wollen wir durch eine passgenaue Ankunft für uns nutzen. Bei einer dreitägigen Anreise mit nicht stabilem Wetter gar nicht so einfach…