Karibiktagebuch III 23 Crewwechsel in KIngston
Tagebuch Karibik III,  Jamaika

Karibik – Tagebuch III – Crewwechsel in Kingston

Seite 23 – Mit der Einwanderungsbehörde auf du und du…

10.04 – 13.04.2026

Am nächsten Morgen geht es für Sabine in aller Frühe zum Flughafen, der nur 5 Autominuten entfernt ist. Jetzt haben wir zwei Tage Zeit bevor die nächsten Gäste an Bord kommen. Da heißt es erst einmal – Wäsche waschen und Reparaturen und Verbesserungen durchführen.

Die ortsansässigen Nachtreiher haben unser Boot als guten Standort zum Fischen ausgemacht und so sind wir ständig von den großen Vögeln belagert. Unsere anfänglicher Begeisterung sinkt, da sie auch für den Toilettengang das Boot nicht verlassen. Nach zwei Tagen melden sie auch schon Gewohnheitsrechte an und schimpfen laut, wenn wir sie vertreiben wollen.

Nachtreiher an Bord 1
Die Nachtreiher haben die Vorzüge unseres Boot als Ausgangspunkt für ihre Fischjagd entdeckt.

Gegen Mittag kommt Gabriele vom Nachbarboot vorbei um uns auszurichten, dass uns die Immigration um 16 Uhr in der Marina sehen möchte. So fahren wir mit deutscher Pünktlichkeit an Land und haben dann viel Zeit, auf die Immigration zu warten. Immerhin können wir uns ausführlich mit Gabrielle und Fanny aus Frankreich unterhalten, die seit über 10 Jahren in der Welt unterwegs sind, zuerst mit Fahrrädern und nun mit dem Segelboot. Sie finanzieren ihre Auszeit durch sparsames Haushalten und immer wieder Arbeitseinsätzen. Sie haben mittlerweile lukrative Jobs auf einem Kreuzfahrtschiff in der Arktis und Antarktis, wo sie als Guides und Lektoren für die Kreuzfahrtgäste tätig sind. Das machen sie ein paar Monate im Jahr und dann reicht es wieder für eine längere Auszeit. So geht´s also auch.

Soeckchen in der Marina
Unser „Soeckchen“ am Steg des Royal Jamaica Yacht Club, in keiner Marina mussten wir bisher so oft vorstellig werden.

Nachdem wir mit der Immigration gesprochen haben und den Marina Pool genutzt haben, machen wir uns mit dem Dinghy auf den Rückweg. Gabriele und Fanny sitzen mittlerweile schon bei Rotwein auf einem anderen Segelboot und wir werden gleich zum Sundowner eingeladen. Die Bootsbesitzer, der Schweizer Marcus und seine Mitseglerin Oxana aus Großbritannien sind auch schon einige Jahre unterwegs und wollen jetzt zurück ins Mittelmeer. So gibt es viel zu erzählen und es wird ein feucht – fröhlicher Abend. Erst spät in der Nacht kommen wir zurück zum Boot.

Somit heißt es am nächsten Morgen früh starten um noch die letzten Arbeiten abschließen zu können. Um 17:30 Uhr erwarten wir Carsten an Bord, aber der lässt auf sich warten, dabei ist der Flughafen in Sichtweite. Er bringt uns eine Ankerwinch aus Deutschland mit und damit muss er durch den Zoll, was in Jamaika wohl zeitraubend ist und obwohl Ware für eine Jacht in Transit zollfrei ist, muss erst einmal Zoll bezahlt werden. So ist es schon dunkel, bevor er das Boot erreicht. Bernd war zwischendurch mit dem Dinghy in der Marina um nach ihm Ausschau zu halten und Bescheid zu geben, dass ein Gast erwartet wird. Er kommt zwar ohne Carsten zurück aber mit einem riesigen Beutel Makrelenfilets – der Einheimische, den er nach seiner Angeltechnik gefragt hat, hat ihm kurzerhand etwas von seiner Beute abgegeben.

Ankern am Flughafen
Wir ankern direkt vor dem Flughafen von Kingston – ganz komfortabel für unsere Gäste…

So gibt es zum Abendessen, nachdem Carsten endlich angekommen ist, frisch gegrillten Fisch.

Am nächsten Morgen ist die erste Aktion, die neue Ankerwinch einzubauen. Der Ankerbetrieb per Hand ist ausgesprochen aufwändig und anstrengend.

Am Nachmittag trudelt dann auch seine Tochter Miriam an Bord ein und so ist unsere Crew jetzt vollständig für die Überfahrt.

Die jamaikanischen Behörden machen es weiterhin spannend, Carsten und Miriam müssen vorstellig werden und der Zoll hat Einfuhrsteuer am Flughafen kassiert, das versucht Bernd nun per Antrag zurück zu bekommen, denn eigentlich sind Ersatzteile für eine Jacht in Transit mehrwertsteuerfrei.

Miriam und Carsten TB
Unsere neue Crew – Carsten mit Tochter Miriam sind hochmotiviert neue Segelerfahrungen zu sammeln.

Mit den neuen Gästen überlegen wir, was wir in Jamaika noch erledigen und erleben wollen, bevor wir uns auf den Weg nach Panama machen. Wir beschließen uns das Bob Marley Museum – wird ohne Unterlass von allen Seiten empfohlen – und das Devon – Haus anzusehen und einen Tag ein Auto zu mieten und in die Blue Mountains zu fahren und eine Kaffeeplantage dort zu besichtigen. Dann steht natürlich Proviantierung an und zum Ende der Woche wird ein Wetterfenster erwartet um eine ruhige Überfahrt zu starten.

Am Montag steht als erstes das Bob Marley Museum auf dem Programm, es liegt in einem Wohngebiet der Upper Class rund 6 Kilometer aus der Innsenstadt herauf. Es handelt sich um das ehemalige Wohnhaus des Künstlers, der Reggae, Dreadlocks und Rastafari weltberühmt gemacht hat. Besichtigung nur mit Führung, Fotos im Haus nicht gestattet.

Bob Marley Statue
Statue Bob Marley vor seinem Haus, in dem sich heute das Museum befindet.

Naja, es gibt auch nicht viel zu sehen – die Wände zieren die Auszeichnungen, Zeitungsartikel und Plattencover seines Schaffens. Die Guides sind vor allem musikalisch versiert und stimmen immer wieder seine Lieder an, die die Gäste lauthals mitsingen. Dazu gibt es noch sein Ehebett, ein paar Musikinstrumente, eine Handvoll Kleidungstücke von Bob, die mehr als spartanische Kücheneinrichtung und sein Tonstudio aus den 70er Jahren zu bewundern. Im Haus herrscht drangvolle Enge, da mehrere Gruppen in dem kleinen Haus unterwegs sind und die Führung dauert dabei über 90 ermüdende Minuten. Bei einem stolzen Eintrittspreis von rund 25,- USD soll halt einiges geboten werden. Aus meiner Sicht wäre halb so lang und halb so teuer besser gewesen…

Ermüdet machen wir uns weiter auf zum rund zwei Kilometer entfernten Devon – Haus erbaut ca. 1881 von George Stiebel dem ersten schwarzen Millionär Jamaikas. Das Haus kann besichtigt werden mit seiner Einrichtung, dauert 30 Minuten, kostet auch 25,- USD – haben wir uns gleich geklemmt. Genug Erklärungen für einen Tag.

Devon House
Das Devon Haus – Wohnsitz des ersten schwarzen Millionärs Georg Stiebel Sein Reichtum kam insbesondere durch Investitionen in venezolanische Goldminen.

Auf dem Anwesen gibt es jede Menge Shops, Restaurants eine Bäckerei und eine Eisdiele, mit der berühmten Devon – Eiskrem – die zu den besten der Welt gehören soll. Die Schlange ist lang, kaum einer will sich diesen kulinarischen Leckerbissen entgehen lassen. Ich entscheide mich diesmal für das Schokoladeneis – ist lecker…. aber ob es zur Weltspitze gehört…

Anschließend fahren wir nach Downtown, stürzen uns dort ins Getümmel um den Einkauf von frischen Gemüse. Reichlich Beladen treten wir den Heimweg an. Ein Tag voller Ereignisse neigt sich jedoch noch nicht dem Ende.

TB Marktgetuemmel Downtown
Shoppen auf dem lokalen Markt in Kingston Downtown ist nichts für empfindliche Gemüter.

Carsten und Miriam müssen immer noch bei der Immigration vorstellig werden, die am Wochenende dann doch nicht gearbeitet hat. Wir haben den Termin um 17 Uhr und laufen pünktlich – wie es sich für anständige Deutsche gehört – in der Marina ein. Die Zollbeamten, lassen sich erst eine Stunde später – wie es sich für anständige Jamaikaner gehört – dort blicken.

Da sich aber die Segelcommunity dort bereits eingefunden hat, vergeht die Zeit wie im Fluge mit einem regen Englisch – Deutschsprachigen Austausch.

So ist es schon dunkel, bevor wir wieder auf Joline an Bord sind…

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