Traditionelle Teeherstellung auf den Azoren – grünes Gold im Atlantik
September 2023
Warum wächst auf den Azoren Tee – und warum ist er einzigartig in Europa? Zwischen Vulkanboden, Atlantiknebel und sanften Hügeln verbirgt sich eine fast vergessene Erfolgsgeschichte. Dieser Reiseblog nimmt dich mit zu den Ursprüngen des Teeanbaus auf den Azoren, erzählt von Pionieren, Plantagen und davon, warum ein Besuch hier heute zu den authentischsten Erlebnissen Portugals zählt.
🌱 Wie der Tee auf die Azoren kam
Im 19. Jahrhundert steckten die Azoren in einer wirtschaftlichen Krise. Der Orangenexport, bis dahin wichtigste Einnahmequelle, brach durch Krankheiten zusammen. Die Lösung kam aus Fernost: Tee.
1852 brachten portugiesische Händler Samen der Teepflanze Camellia sinensis aus China auf die Insel São Miguel. Um den Anbau zu perfektionieren, wurden sogar chinesische Teemeister eingeladen. Das feucht-milde Klima, die nährstoffreichen Vulkanböden und die Höhenlagen erwiesen sich als ideal.
Schon bald galt der azorische Tee als exotische Rarität – und als Hoffnungsträger für die Inseln.
🏭 Aufstieg und Niedergang der Teeindustrie
Ende des 19. Jahrhunderts entstanden mehrere Teeplantagen auf São Miguel. Die Industrialisierung, veränderte Konsumgewohnheiten und hohe Transportkosten führten dazu, dass viele Betriebe schließen mussten.
Zwei Betriebe überlebten – vor allem durch Qualität statt Masse und so existieren bis heute auf der Insel São Miguel Europas einzige kommerziell genutzte Teeplantagen.
Die Teeplantagen der Azoren
🌱 Chá Gorreana
- gegründet 1883
- größte und älteste Teeplantage Europas
- heute noch mit historischen Maschinen in Betrieb
🌱 Chá Porto Formoso
- kleinere, familiengeführte Plantage
- Fokus auf Qualität und Handarbeit
- angeschlossenes Tee‑Museum
Beide Plantagen sind frei zugänglich und gehören zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten auf São Miguel.
Traditionelle Teeherstellung auf den Azoren – Schritt für Schritt
1. Manuelle Ernte
Die Teeblätter werden überwiegend von Hand gepflückt. Geerntet werden nur die obersten, jungen Blätter – meist zweimal jährlich. Diese selektive Methode garantiert ein feines Aroma und hohe Qualität.
2. Welken der Teeblätter
Nach der Ernte ruhen die Blätter mehrere Stunden, um Feuchtigkeit zu verlieren. Dieser Schritt macht sie weich und bereitet sie auf die weitere Verarbeitung vor.
3. Rollen & Oxidation
- Grüner Tee: Die Blätter werden gerollt und sofort erhitzt, um die Oxidation zu stoppen.
- Schwarzer Tee: Die Blätter oxidieren bewusst an der Luft, wodurch Farbe und kräftiges Aroma entstehen.
Auf den Azoren kommen dabei teilweise über 100 Jahre alte Maschinen zum Einsatz – ein lebendiges Industriedenkmal.
4. Trocknung & Sortierung
Zum Abschluss werden die Teeblätter getrocknet, gesiebt und nach Größe sortiert. Zusatzstoffe? Fehlanzeige. Azoren‑Tee ist 100 % naturbelassen.
Warum Azoren‑Tee so besonders ist
✔ Europas einzige Teeproduktion ✔ keine Pestizide notwendig (natürliche Schädlingsfreiheit) ✔ mineralische Vulkanböden ✔ traditionelles Handwerk statt Massenproduktion
Der Geschmack ist mild, leicht herb und überraschend frisch – perfekt für Tee‑Puristen.
Teeplantagen besuchen – ein Highlight jeder Azoren‑Reise
Ein Spaziergang durch die Teeplantagen von São Miguel ist mehr als Sightseeing:
- Panoramablicke auf Atlantik & Hügel
- Einblicke in echte Handarbeit
- Kostenlose Besichtigungen
- Frisch gebrühter Tee direkt vor Ort
👉 Tipp: Früh morgens oder am späten Nachmittag ist das Licht besonders schön – ideal für Fotos.
Fazit: Tradition, die man schmeckt
Die traditionelle Teeherstellung auf den Azoren ist ein stilles, aber eindrucksvolles Kulturerbe. Sie verbindet Natur, Geschichte und Genuss auf einzigartige Weise. Wer die Azoren bereist, sollte sich dieses grüne Kapitel Europas nicht entgehen lassen.
2 Comments
Rebekka Graumann
Eure Berichte und Erzählungen sind immer wieder aufs Neue faszinierend, spannend, lehrreich und Fernweh weckend . Von Herzen Danke 🫶
Petra Guertler
Hallo Rebekka, vielen Dank für dein Feedback. Ich freue mich immer zu hören, wenn ich jemanden beim Lesen mit auf die Reise nehmen kann. Liebe Grüße an die Heimat. LG Petra