Kolumne: So dunkel die Nacht…
Januar 2026
Sonne, Mond und Sterne
Überfahrten mit Joline bedeuten: durch die dunkle Nacht fahren.
Die erste Nachtfahrt war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Nie hätte ich mir die Nacht so dunkel vorgestellt… In der Stadt, selbst auf dem Dorf ist eine Nacht gar nicht wirklich dunkel. Irgendwo brennt immer ein künstliches Licht, es gibt Autoscheinwerfer, Straßenlaternen, Hausbeleuchtungen… Lichtsmog nennt man das wohl Neudeutsch.
All das gibt es auf dem offenen Meer nicht…
So hat mich die totale Finsternis einer Nacht auf dem Meer ganz unvorbereitet getroffen. Wenn die Sonne untergeht ist es auf einmal stockfinstere Nacht und das Boot bewegt sich in ein schwarzes Nichts…
Der Mond, von dem ich erwartet hatte, dass er aufgeht, sobald die Sonne untergeht, macht das aber nicht, darüber habe ich mir vorher nie Gedanken gemacht…
Eine mondhelle Nacht – so hatte ich mir unsere ersten Nachtfahrt bei Vollmond vorgestellt.
Der Mond ging aber erst ein paar Stunden nach Sonnenuntergang auf – er erhellt dann zwar die Nacht, aber alles ist immer noch in Schwarztöne gehüllt…
Sonnenuntergang und Mondaufgang bewegen sich in unterschiedlichem Rhytmus und bei Neumond muss sowieso vollständig auf Mondlicht verzichtet werden.
Ist die Nacht sternenklar – erstrahlt der Sternenhimmel über einem in seiner ganzen Pracht, die Sternenbilder, die Milchstraße erscheinen zum Greifen nah… Helligkeit verbreiten die Sterne aber nicht – man weiss dann höchstens, wo oben und unten ist…
Meeresleuchten
Ein weiteres Phänomen beim Nachtsegeln ist das Meeresleuchten. Dabei handelt es sich um Mikroalgen – auch biolumineszentes Plankton genannt. Sie kommen in bestimmten Bereichen des Meeres vor – wir hatten bisher damit Begegnungen auf der Atlantiküberfahrt und auf dem Meer rund um Puerto Rico.
Durch die Bewegung die das Boot im Wasser erzeugt fängt das Plankton als Abwehrmechanismus an zu leuchten und hinterlässt eine kurzzeitig aufleuchtende türkis – blaue Leuchtspur.
Begegnungen auf dem Meer
Auch wenn man beim Blick auf den endlos erscheinenden Horizont vermutet, das man einen weiten Rundumblick hat, ist das ein Irrtum – der Horizont ist näher als man denkt.
Aufgrund der Erdkrümmung schweift der Blick nur rund 4 – 5 km in die Ferne. Daher sind Begegnungen auf den Weiten des Ozeans auch eher selten. In der Regel begegnet man nur alle paar Tagen einem anderen Schiff – meist Tanker – die den Weg kreuzen und nachts – je nachdem in welche Richtung sie sich im Bezug zur eigenen Position bewegen als weisse, rote oder grüne Lichter vorbei ziehen.
Anhand dieser Farben muss der Skipper bestimmen, in welche Richtung sich das andere Boot bewegt, kommt es auf einen zu, fährt es vor einem weg, kreuzt es die eigene Route – und wird es eine Begegnung geben, muss also der Kurs korrigiert werden.
Mindestens eine Seemeile (knapp 2 Kilometer) sind ein Abstand, den man in der Regel einhält, ansonsten muss ein Boot seine Richtung korrigieren. Das ist bei uns normalerweise das andere Boot, denn ein Segelboot hat Vorfahrt vor einem Motorboot.
Hören kann man das andere Boot übrigens nicht, selbst wenn es sich um ein Kreuzfahrtschiff oder einen Riesentanker von 200m Länge und mehr handelt.
Fliegende Fische
Zu Tausenden sind Fliegende Fische in den Meeren unterwegs. Immer wieder begegnet man ihnen, wenn sie in großen Schwärmen oder als Einzelkämpfer das Meer verlassen und über die Meeresoberfläche gleiten – auf der Flucht vor Fressfeinden.
Nachts sind die großen Räuber unterwegs und die Fliegenden Fische auf der Flucht. So ein Katamaran stellt dabei ein erhebliches Hindernis dar. So landen immer wieder Fliegende Fische bei ihrer Flucht auf dem Deck und müssen am Morgen aufgesammelt werden.
Keine so angenehme Begegnung da die toten Fische einen strengen Gestank verbreiten.
