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Gedanken und Motivation,  Gastbeitrag,  Jamaika,  Panama,  Überfahrten

Gastbeitrag von Miriam, die uns auf unserer Überfahrt von Jamaika nach Panama begleitet hat.

Ein kleines Stückchen Weltumsegelung

12.04. – 25.04.2026

Als krönender Abschluss meiner viermonatigen Lateinamerikareise: zwei Wochen Segeln in der Karibik mit meinem Vater.

Nach knapp 30 Stunden Anreise – von Guatemala-Stadt über Fort Lauderdale (schlicht die günstigste Verbindung) – kam ich völlig übermüdet in der Marina von Kingston an. Die Idee fühlte sich noch unwirklich an: die nächsten zwei Wochen auf einem 12-Meter-Katamaran Richtung Panama unterwegs zu sein. Ein kurzes Abkühlen im lauwarmen Marina-Pool, das Wiedersehen mit meinem Vater, das Kennenlernen von Petra und Bernd – und dann ging es mit dem Dinghy hinaus zum Ankerplatz. Die Joline erwartete uns dort, friedlich schaukelnd im Abendlicht.

Der echte Bordalltag beginnt sofort

Bernd und Petra nahmen uns direkt in ihren Alltag auf. Der bestand deutlich weniger aus Sundowner-Romantik, als man vielleicht erwarten würde. Stattdessen: Einkaufsplanung, Diesel bunkern, Wasser auffüllen, Sicherheitseinweisung, Rettungswesten anpassen. Überlegen, wo man am besten die Lebensmittel für mehrere Tage auf See herbekommt. Dazwischen blieb aber auch noch Zeit für Jamaika: Bob-Marley-Museum, eins der wohl besten Eis der Welt probieren, ein abenteuerlicher Roadtrip durch die Blue Mountains auf der Suche nach dem berühmten Blue-Mountain-Kaffee, Obst- und Gemüse Shoppen in der angeblich so gefährlichen Downtown von Kingston und ein entspannter Strandtag am Hellshire Beach.

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Unterwegs auf dem Meer

Fünf Tage. Fünf Nächte. Kein Land in Sicht.

Der eigentliche Kern der Reise begann erst mit dem Ablegen: die Überfahrt nach Panama. Fünf Tage und fünf Nächte auf offener See – ohne Land in Sicht, ohne die Möglichkeit, einfach umzudrehen. Zum Glück hatten wir kaum Seegang und damit auch keine Probleme mit Seekrankheit. Der Rhythmus bestand plötzlich nur noch aus Wachen, Schlafen, Spielen, Kochen und Wetterbeobachtung. Und viel Zeit, um in der Seemannschaft – der Bibel der Seefahrer – zu schmökern und die wichtigsten Knoten und Segelvokabeln zu lernen.

Jede Nacht hatte ich drei Stunden allein Verantwortung für das Boot. Ehrlich gesagt war das eine „Light-Version“ der Wachen: Bernd schlief oben an Deck, um im Notfall schnell eingreifen zu können. Trotzdem blieb genug Spannung: Radar kontrollieren, den Horizont absuchen, Wind und Segel im Blick behalten – und entscheiden, wann man den Skipper weckt und wann man ihn schlafen lässt.

Sternschnuppen, Delfinbesuch und Windstille

Am meisten hat mich überrascht, wie schnell sich diese Welt normal anfühlt. Nach zwei Tagen wirkten Dinge völlig selbstverständlich, die vorher absurd geklungen hätten: nachts bei Neumond allein an Deck zu sitzen und Sternschnuppen zu zählen. Oder morgens vom Ruf „Delfiiiiine!“ geweckt zu werden – und auf offenem Meer plötzlich eine ganze Schule Delfine direkt am Boot zu haben. Gleichzeitig gab es immer wieder kleine Erinnerungen daran, wie abhängig man draußen auf dem Meer von Wetter, Technik und Erfahrung ist. Zum Beispiel als an Tag drei oder vier der Wind plötzlich komplett einschlief und wir mit Motor nachhelfen mussten. Kein Drama – aber ein kleiner Reminder: draußen auf dem Wasser hat das Wetter das letzte Wort.

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Einsatz an der Winsch

Was zwei Wochen auf See mit einem machen

Ich habe in diesen zwei Wochen verstanden, warum Menschen ihr altes Leben hinter sich lassen und losfahren. Nicht weil alles entspannt oder romantisch ist – sondern weil man draußen auf dem Meer gezwungen wird, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Wind. Wetter. Schlaf. Essen. Vertrauen in andere Menschen. Und die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen.

Irgendwo zwischen Nachtwachen, Kartenspielen und Sonnenaufgängen auf offenem Meer habe ich mich dabei ertappt, auszurechnen, wann ich theoretisch genug Geld gespart hätte für eine eigene Weltumsegelung. Und angefangen, zu googeln, wo man in Berlin einen Segelschein machen kann.

Danke, Petra und Bernd – für die Aufnahme in euren Alltag, für die geduldigen Erklärungen und dafür, dass ihr diese Leidenschaft so wirkungsvoll auf mich übertragen habt.

Was ich für mich mitgenommen habe? Nicht nur ein paar Fotos aus der Karibik. Sondern das leise, hartnäckige Gefühl: Das könnte irgendwann vielleicht auch mein Leben sein.

Miriam

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