Karibik – Tagebuch III – Improvisationstheater
Seite 5 – Während man plant, passiert das Leben…
17.01.
Am Samstag vormittag geht es dann – endlich einmal nach Plan – pünktlich los. Joline soll zurück ins Wasser und die Marinacrew tritt an, um unseren 16 – Tonnen Koloss ins Wasser zu schaffen. Für den Portalkran ist unser Katamaran zu breit – also muss es mit dem Slipwagen über Land gehen.
Zuerst einmal muss Joline runter von den Landstützen und auf den Wagen aufgebockt werden. Dafür ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich. Der Rumpf wird abgeklopft und durch Klebebänder wird festgelegt, wo das Boot tragfähig ist für sein enormes Gewicht.
Auf der Rampe wird der Katamaran erst einmal wieder abgestellt und aufgebockt. Dann kommt der Wagen, der Joline final bis ins Wasser fährt. Viel Handarbeit und das in der sengenden Sonne Guatemalas. Nachdem es vollbracht ist gibt es erst einmal kalte Cola für alle.
Da die Motorreparatur noch aussteht – aus den 5 Tagen ist mittlerweile eine Woche geworden – bleiben wir weiterhin am Steg der RAM – Marina und finden hier nun unseren neuen Standort.
In der ersten Nacht springt die Bilge in regelmäßigen Abständen an – es kommt Wasser ins Boot. Endlich ein neues Problem. Zwei Tage macht Bernd sich auf die Suche nach dem Leck – dann stellt sich heraus – der Schlauch der alten Toilette hat sich mit dem Schlauch der neuen Toilette nicht ordentlich verbunden.
Na das ist dann höchstens ein Problemchen.
Solange das Boot noch gut vertäut liegt bietet es sich an als erstes die Arbeiten im Mast abzuschließen.
Es gibt einige Arbeiten im Mast zu erledigen – das Arbeiten im Haltegeschirr ist anstrengend und kann aufgrund der Druckbelastung im Haltegurt nur eine kurze Zeit ausgeführt werden.
Daher muss Bernd in den nächsten Tagen mehrfach in den Mast, bis alle Arbeiten abgeschlossen werden können.
Die technischen Arbeiten neigen sich dem Ende und wir beginnen, Ordnung auf dem Boot wieder herzustellen und unsere Abreise vorzubereiten.
Da die nächsten Ziele: Belize und Kuba keine oder keine guten Einkaufsmöglichkeiten bieten, machen wir uns daran den Einkauf für die nächsten 9 Wochen zu planen. Größen von 20 Paketen Butter, 10 kg Nudeln, 30 Liter Milch, 150 Eier und rund 200 Liter Getränke ( Bier, Cola, Mineralwasser ) uvm. gilt es zu beschaffen. Mehrere Fahrten sind erforderlich, zumindest kennen wir uns im Supermarkt schon gut aus.
Wenn alles an Bord ist, muss es auch noch verstaut werden, aber da bietet der Katamaran ja erhebliche Möglichkeiten.
Nach zwei Einkaufsoffensiven sind die haltbaren Lebensmittel eingelagert – in einer dritten Einkaufsrunde kommen dann noch die frischen Lebensmittel dazu: Obst, Gemüse, Fleisch, Käse, Wurst… – dieser Einkauf aber erst kurz vor Abreise.
Die verzögert sich weiterhin weil die Ersatzteile für den Motor nicht eintreffen. Mittlerweile sind wir auf den Samstag der zweiten Woche seit Ausbau der Teile vertröstet und es ist klar – wir können den Termin mit unseren Gästen in Belize nicht halten.
Also telefonieren wir mit Sascha und Yvonne und planen die Route gemeinsam um. Sie kommen zum Rio Dulce und wir starten die Reise von hier – aus der Zweiländertour wird nun eine Dreiländerreise. Sie machen einen Abstecher über Flores und schauen sich die Mayaausgrabung Tikal an. Mit diesem Besichtigungsprogramm werden sie am Donnerstag am Rio Dulce ankommen.
Die Motorteile ist mittlerweile repariert, doch die Zylinderkopfdichtung hängt noch im Zoll fest. Nach zwei Tagen intensiven Bemühungen ist das Teil dann endlich raus und versandbereit. Doch als gäbe es nicht genug Verzögerung – das neue Teil ist beschädigt, der Händler hat Ersatz angefordert…
Bernd reisst der Geduldsfaden, auf das neue Teil können wir nicht auch noch warten. Der Händler soll das beschädigte Teil schicken, dann kann sich Bernd einen fachlichen Eindruck verschaffen. Ansonsten muss die alte Zylinderkopfdichtung wieder montiert und in Panama gegen eine neue ersetzt werden.
Am Dienstag bekommen wir professionelle Reinigungshilfe – Elvira nimmt sich unseres Bootes an und beginnt sich einmal quer durchs Boot zu putzen. Sie erreicht Bereiche, wo schon lange kein Mensch vor ihr gewesen ist und das Boot erstrahlt in neuem Glanz.
Bernd hat immer noch alle Hände voll zu tun, dann fällt auch noch eine Toilette aus und muss durch eine neue ersetzt werden. Mittlerweile ist das halbe Boot runderneuert – zumindest kommt es mir so vor – na ja, wenn wir jetzt für Jahre Ruhe haben, wäre es ja okay… Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Während unsere Gäste sich langsam auf den Rio Dulce zubewegen machen wir das Boot abreisefertig. Auf die Zylinderkopfdichtung warten wir noch immer. Der Händler in Guatemala wird nicht müde uns täglich zu versichern dass das Teil in den nächsten Stunden eintrifft.
Nelson der Monteur inspiziert mit Bernd die alte Zylinderkopfdichtung und sie beschließen, wenn bis Donnerstag die neue Dichtung nicht eingetroffen ist, muss die alte noch mal ran.
Freitag, spätestens Samstag segeln wir los – komme was wolle…