São Miguel (Azoren) – eine Insel voller Landschaftsdramatik
September 2023
Heisse Quellen, rauhe Küste, Tee und Blumen
São Miguel, die größte Insel der Azoren, hat uns mit ihrer landschaftlichen Vielfalt sofort überzeugt. Kaum ein anderer Ort bietet auf so engem Raum Vulkankrater, Seen, Steilküsten, heiße Quellen und sattgrüne Weiden – alles umgeben vom Atlantik. Wir haben schnell gemerkt – sie gilt nicht umsonst als die vielseitigste der Azoreninseln.
Vulkanische Landschaften & Seen
Lagoa das Sete Cidades Sao Miguel
Doppelkrater mit blauem und grünem See, eines der bekanntesten Naturwunder der Azoren
Furnas – wo die Erde kocht
Furnas ist ein Erlebnis für alle Sinne.
Überall dampft und brodelt es, Schwefel liegt in der Luft, und mitten im Ort sprudeln heiße Quellen aus dem Boden.
Natürlich haben wir es ausprobiert: Cozido, den traditionellen Eintopf, der 6–7 Stunden im heißen Vulkansand gart.
Rustikal, herzhaft, einzigartig – genau wie die Azoren selbst.: Das portugiesische Nationalgericht – zubereitet in den Caldeiras das Furnas von Sao Miguel
Caldeira Velha – Natur pur im Herzen von São Miguel
Caldeira Velha liegt im Naturschutzgebiet bei Ribeira Grande.
Hier trifft Vulkanenergie auf üppige Vegetation – ein perfektes Zusammenspiel aus Hitze, Wasser und Grün.
Manche Orte fühlen sich nicht an wie Sehenswürdigkeiten, sondern wie Geheimnisse, die man zufällig entdeckt.
Caldeira Velha auf São Miguel ist genau so ein Ort – verborgen im grünen Dschungel der Azoren, warm, wild und unglaublich ursprünglich.
Schon der Weg dorthin ließ mein Herz schneller schlagen: dichter Farnwald, tropisches Grün, das leise Rauschen von Wasser. Und dann plötzlich – Dampf steigt auf, mitten im Wald.
Um diesen Ort ohne einer zu großen Menschenmenge zu genießen ist der Zugang limitiert – man muss im Vorfeld einen Timeslot buchen und kann sich dann rund 2 Stunden in den Thermalbecken aufhalten.
Mein ausführlicher Bericht: Das Naturdenkmal Caldeira Velha auf der Azoreninsel Sao Miguel
Lagoa do Fogo – ein See, der sich nicht immer zeigt
Es gibt Orte, die wirken nicht spektakulär im klassischen Sinn.
Und genau deshalb sind sie unvergesslich. Lagoa do Fogo – der „Feuersee“ – ist so ein Ort.
Hoch oben im Inselinneren von São Miguel, verborgen zwischen Wolken und Wind, liegt dieser Kratersee – roh, ruhig und unglaublich klar.
Lagoa do Fogo ist launisch. Wolken kommen, Wolken gehen.
Wir haben gewartet. Und gewartet. Sind den Aussichtspunkt zweimal zu unterschiedlichen Zeiten angefahren. Und dann – dieser Moment, in dem der See sichtbar wurde.
Küste & Meer
- Schwarze Lavafelsen und steile Klippen prägen die Küste
- Natürliche Meerwasserpools wie in Mosteiros
- Keine langen Sandstrände, dafür ursprüngliche Atlantiklandschaft und starke Brandung
Klima & Natur
Auf den Azoren herrscht ein mildes, ozeanisches Klima mit ganzjährig ca 16 – 25 Grad Celsius.
Wenn die Natur aufblüht: Empfohlener Reisemonat – September
Der September ist für mich kein Übergangsmonat – er ist ein Höhepunkt.
Die große Sommerhitze ist vorbei, die Landschaft wirkt erholt, saftig und lebendig. Und überall blüht es noch einmal auf – leiser, wilder, natürlicher als im Hochsommer.
Wer im September reist, erlebt die Natur nicht als Kulisse, sondern als Hauptdarsteller.
Städte & Infrastruktur
Ankommen am Atlantik – erste Schritte durch Ponta Delgada
Unser erster Weg führte uns entlang der Uferpromenade. Der Blick auf den Hafen, Segelboote im Licht der tiefstehenden Sonne und das sanfte Rauschen des Ozeans – genau so fühlt sich Ankommen an.
Ponta Delgada
Ponta Delgada ist überschaubar, gut zu Fuß zu erkunden und dabei überraschend vielfältig.
Beschauliche Altstadt
Moderne Baukomplexe
Jardin Botanico Antonio Borges
Mitten in der lebhaften Inselhauptstadt Ponta Delgada liegt ein Ort, an dem die Zeit langsamer vergeht: der Jardim Botânico António Borges. Kaum durch das schmiedeeiserne Tor getreten, verschlucken tropisches Grün, alte Baumriesen und das Zwitschern der Vögel den Straßenlärm – ein perfekter Kontrast zum urbanen Alltag auf São Miguel.
Der Park wurde 1861 angelegt und nach dem azoreanischen Botaniker António Borges da Câmara Medeiros benannt. Ursprünglich als privater Garten konzipiert, ist er heute öffentlich zugänglich und gilt als einer der schönsten botanischen Gärten Portugals. Besonders beeindruckend ist, wie harmonisch hier exotische Pflanzen aus aller Welt mit heimischen Arten kombiniert werden
Fado – Portugals Seele hören, fühlen, erleben
Fado hören in Portugal ist mehr als ein Konzertbesuch – es ist eine Reise mitten ins Herz des Landes. Kaum erklingen die ersten Töne der portugiesischen Gitarre, liegt diese besondere Stimmung in der Luft: Saudade. Sehnsucht, Melancholie, Liebe, Verlust – Fado erzählt Geschichten, die jeder versteht, auch ohne ein Wort Portugiesisch zu sprechen.
🇵🇹 Was ist Fado?
Fado ist der traditionelle Musikstil Portugals und gehört seit 2011 zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe. Entstanden im 19. Jahrhundert in den Arbeitervierteln von Lissabon, wird Fado meist von einer Sängerin oder einem Sänger sowie klassischer Gitarre und portugiesischer Gitarre begleitet.
Der Name kommt vom lateinischen fatum – Schicksal. Und genau darum geht es: um das Leben, wie es ist.
Teeplantagen – einzigartig in Europa
Auf São Miguel gibt es zwei kommerzielle Teeplantagen. Cha Gorreana gegründet 1883 und Cha Porto Formose gegründet 1920. Sie sind öffentlich zugänglich und man kann zwischen den Teefeldern spazieren, der traditionellen Teeherstellung zusehen und den Tee in authentischem Ambiente genießen.. Beide liegen im Norden der Insel und sind die einzigen kommerziellen Teeplantagen Europas.
doch einen sehr unterschiedlichen individuellen Stil.
Ausführlicher Bericht über die Teeherstellung –
Traditionelle Teeherstellung auf den Azoren – grünes Gold im Atlantik
Ananas auf den Azoren – eine echte Besonderheit
Auf São Miguel werden Ananas seit dem 19. Jahrhundert angebaut – allerdings nicht auf offenen Feldern, sondern in Gewächshäusern. Diese Methode ist weltweit nahezu einzigartig.
Der Grund: Das milde, feuchte Atlantikklima.
Zwei Plantagen befinden sich auf der Insel in der Nähe von Ponta Delgado.
Fazit:
Die portugiesischen Azoreninseln, die weit abgelegen im Atlantik liegen, sind noch ein echter Geheimtipp. Abseits der üblichen Reise- und Kreuzfahrtrouten liegt hier der Tourismus noch im Dornröschenschlaf. So kann man die überwältigenden Naturschauspiele, die kleinen Museen und Orte noch in Ruhe genießen. Das macht einen großen Teil des Charmes aus.
Die neun Azoreninseln sind auch nicht so leicht zu erkunden. Die wenigsten Inseln sind mit Fähren verbunden und aufgrund des oft rauhen Atlantiks fahren sie auch nicht immer. Die übliche Verbindung – wenn man nicht mit dem eigenen Boot anreist – geht über den Flieger, denn die Inseln liegen oft rund eine Flugstunde voneinander entfernt und dann muss man auch immer wieder nach Sao Miguel zurückkehren, den der Flugverkehr geht über das Drehkreuz Ponta Delgada. Das Inselhopping ist hier also sehr zeitintensiv.
