Webkunst 7 Naturprodukte
Guatemala

Webkunst in San Juan La Laguna – Von der Baumwolle zum fertigen Tuch

Traditionelle Handarbeit im Rausch der Farben und Muster…

Dezember 2025

Auf unserer Reise an den Atitlán-See in Guatemala durften wir miterleben, wie hier traditionelle Maya-Webkunst bis heute lebendig ist – und wie aus Baumwolle ein farbenprächtiges Tuch entsteht.

Traditionelle Maya – Webkunst in San Juan La Laguna

San Juan La Laguna gilt als eines der kulturell authentischsten Dörfer rund um den Atitlán-See. Viele Familien leben hier von der handgewebten Textilkunst, die seit Generationen weitergegeben wird. Das Weben ist Alltag, Identität und Einkommensquelle zugleich.

Von der Baumwolle zum Garn

Der Prozess beginnt mit roher Baumwolle, die gereinigt und gekämmt wird.

Webkunst 8 Baumwolle
Es gibt weiße und braune Baumwolle – sie unterscheidet sich nicht in der
Qualität und Färbbarkeit. Als erster Arbeitsschritt muss von jeder
Baumwollflocke der Saatkern entfernt werden.

Anschließend werden die Baumwollbällchen mit einer Spindel zu Garn gesponnen. Dabei sind mehrere Vorgänge nötig, bis das Garn fein und gleichmässig genug ist. Mit erstaunlicher Präzision bestimmen die Weberinnen Stärke und Spannung des Fadens.

Webkunst 3 Spindel
Die Baumwolle wird mehrfach über eine Spindel gedreht, bis der Faden die gewünschte Stärke erreicht hat.
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Nach der Verarbeitung der Baumwolle zu Baumwollfäden erfolgt die Färbung.

Natürliche Farben aus Pflanzen und Insekten

Besonders beeindruckend ist das Färben mit Naturfarben. In San Juan La Laguna kommen ausschließlich natürliche Materialien zum Einsatz:

Webkunst 5 Farbpalette
Die Wolle besticht durch eine unglaubliche Farbenvielfalt und Farbintensität.
  • Indigo für Blau
  • Avocadokerne für Rosé- und Beigetöne
  • Cochenille für kräftiges Rot
  • Blätter und Rinden für Grün- und Brauntöne
Webkunst 6 Detail Farben
Manche Farben lassen sich auf das Naturprodukt leicht zurückführen, andere Farbergebnisse überraschen.
Webkunst 2 Indigo
Aus der Indigopflanze wird der blaue Farbstoff gewonnen. Interessant: Die Farbe entsteht durch Fermentation des Saftes in den Blättern – bei Vollmond geerntet entsteht dabei die tiefblaue Indigofarbe, weil in Vollmondnächten der Saft aus der Wurzel in die Blätter steigt. Ausserhalb der Vollmondnächte fließt der Saft wieder zurück in die Wurzel und aus dem dann geernteten Blättern entsteht eine graue Farbe.

Die Garne werden mehrfach gekocht, gefärbt und in der Sonne getrocknet. Die Farben wirken weich, tief und lebendig.

Webkunst 4 Faerben
Färbebehälter – fixiert wird die Farbe durch Beigabe eines Suds aus Bananenschalen und Bananenstämmen oder mit Alaun oder Aschewasser. Die Farbechtheit direkt nach dem Färben mit dieser Naturstoffen hat mich besonders beeindruckt.

Weben am Rückengurtwebstuhl

Gewebt wird auf dem traditionellen Rückengurtwebstuhl (Telar de Cintura). Ein Teil des Webstuhls ist an einem Pfosten befestigt, der andere am Körper der Weberin. Durch Körperbewegung entsteht die nötige Spannung.

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Weben mit dem traditionellen Rückengurtwebstuhl.

Die Muster erzählen Geschichten: Berge, Tiere, Natur und spirituelle Symbole der Maya-Kultur. Jedes Tuch ist ein Unikat.

Etwa 3 Wochen berichtet uns die Weberin braucht sie für die Herstellung eines Tuches.

Das fertige Tuch – ein Stück gelebte Kultur

Am Ende hält man mehr als ein Souvenir in den Händen. Ein handgewebtes Tuch aus San Juan La Laguna steht für Zeit, Geduld und kulturelles Wissen.

Webkunst 1
Rund drei Wochen arbeitet eine erfahrene Weberin an einem gewebten Tischläufer.

Die Farben und die Muster sind einfach beeindruckend und – nachdem ich eine Tasche schon ein halbes Jahr in Gebrauch habe – unglaublich strapazierfähig und farbecht.

So konnte ich es mir nicht nehmen lassen nach der Webvorführung im Shop der Kooperative einzukaufen.

Handtasche
Ich bin jetzt stolze Besitzerin einer solchen handgefertigten Tasche.

2 Comments

  • Martina Plum

    Der Begriff “ Blau machen “ kommt daher, dass es Zeit in Anspruch nahm, die Farbe „Blau “ herzustellen. Die Färbergesellen mussten die Tuche lange in die Farbe Blau einsetzen. Sie hatten dann frei.

    • Petra Guertler

      Hallo Martina, ich kenne die Geschichte anders… Zur Herstellung der blauen Farbe wurde Urin benötigt. Also gingen die Gesellen zum Biertrinken um ihre Blase zu füllen um dann ins Färbebecken zu pinkeln…LG Petra

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