Gastbeitrag von Sabine die uns ein Stück des Weges in Jamaika begleitet hat
Jamaikatour – von Montego Bay nach Kingston…
Osterferien März/April 2026
Mit dem Direktflug von Amsterdam nach Montego Bay am Dienstagmittag, 31.März, klappt es bestens. Am selben Tag lande ich bereits nachmittags auf Jamaika – mit sieben Stunden Zeitumstellung. Da ich im Flugzeug tief schlafe, merke ich den Jetlag in den folgenden Tagen kaum. Als mich Bernd mit dem Dinghi am Strandrestaurant Pier 1 abholt und zur „Joline“ bringt, bleiben wir den Rest des Tages auf dem Boot und ich gehe früh schlafen. Die ersten Tage verbringe ich außer mit Petra und Bernd mit zwei Mitreisenden auf dem Boot, Zsuszanna und David. Womit ich am Ankunftstag nicht gerechnet habe ist, dass es hier sehr viel regnet. Auch der nächste Tag bringt einiges an Regenphasen. Vormittags immerhin bei trockenem Wetter schaue ich mir die Stadt Montego Bay an, in gut einer Stunde bin ich eigentlich durch die Altstadt durch, die von Auto-Gehupe und süßlichem Duft an vielen Ecken geprägt ist. Auf dem Craft Market statte ich mich mit Kette, Ohrringen, usw. in jamaikanischen Farben aus.
Am Donnerstag geht es zum berühmten Rick‘s Cafè, einer Mischung aus Bar, Restaurant, Party-Hotspot mit Reggae-Musik. Es liegt spektakulär auf den West End Cliffs und ist berühmt für seine Sonnenuntergänge und die wagemutigen Klippenspringer. Wir trinken unseren Kaffee im Cafè, schauen Tänzerinnen zu und gucken uns zunächst die Klippenspringer an, die aus circa 10 m Höhe ins Wasser springen. Einer von ihnen geht sogar auf die 25m Plattform und wagt Sprünge von dort, während die Zuschauer den Atem anhalten. Alles geht gut, er ist ein geübter Springer und taucht mit wenig Spritzern ins Wasser. Dann fasse ich mir auch ein Herz und gehe zu den Klippen. Ich nehme allerdings die 2 und 3 m Klippen ins Visier und springe von dort mehrmals. David nimmt sich die 10m Klippen vor, die er sicher meistert.
Am nächsten Tag geht‘s weiter nach Negril. Zsuzsanna und David reisen heute ab. Wir verabschieden uns im Morgengrauen von ihnen. Negril ist bekannt für den längsten zusammenhängenden Sandstrand auf Jamaika, den Seven Miles Beach. Ich mache mich morgens vor dem Frühstück schwimmend auf den Weg, schwimme entlang des Strandes, seven miles schaffe ich nicht, aber wenigstens einige. Steige aus und gehe zu Fuß am Stand wieder zurück Richtung Boot. Unterwegs kaufe ich in einer der gerade öffnenden Giftshops ein T-Shirt in Jamaika-Farben mit „Jamaica no problem“-Aufschrift. Fast pünktlich zum Frühstück bin ich wieder auf der Joline.
Nachmittags wollen wir den Fluss in Negril näher erkunden, wissen erst nicht, wie wir mit dem Dinghi reinfahren sollen, da es dort am Zugang sehr niedrig ist. Als wir ein einheimisches Boot hineinfahren sehen, das sich entlang am Ufer hält, machen wir es ihnen nach und tatsächlich können wir den Kanal befahren. Wir sehen viele Pelikane, Reiher, Bäume, die mit zig weißen Vögeln besetzt sind.
Abends essen wir in einem kleinen Restaurant direkt am Strand mit Blick aufs Meer leckeres Ingwer-Hühnchen, Shrimps mit Pumpkin-Reis, homemade Pommes, trinken Cocktails usw. und lauschen der Livemusik einer Band.
Weiter geht‘s nach Black River, einer jamaikanischen Stadt an der Mündung des gleichnamigen Flusses Black River. Wichtigste Einnahmequellen sind der Tourismus und die Holzindustrie. Allerdings hat der Hurrikan Melissa im Oktober letzten Jahres hier einiges verwüstet. Der Ort wurde besonders schwer getroffen. Auf dem Black River wollen wir die Krokodile sehen, die es hier wohl zahlreich gibt. Der Fluss, einer der bekanntesten und längsten Flüsse Jamaikas, trägt seinen Namen vom tiefschwarzen Flussbett, das von dichten Mangrovenwäldern gesäumt wird. Ein Hotspot für Ökotourismus. Bei unserer Flussfahrt sehen wir nur ein einziges Touristenboot und viele kaputte, abgeknickte Mangrovenbäume. Dafür aber auch viele verschiedene exotische Vögel, Seerosen, Wasserhyazinthen. Wir fahren auf dem Fluss mit dem Dinghi, irgendwo soll es ein „Restaurant“ geben. Aber wir vermuten schon, dass es das nach dem Hurrikan nicht mehr gibt. Nach einigen Kilometern Fahrt kommen wir an einer Brücke an, ohne ein einziges Krokodil gesehen zu haben. Kurz vor der Brücke ist Lou‘s Stop. Eine Dame sitzt da, sie führt uns in ihr „Restaurant“ und wir trinken etwas Kaltes, zu essen gibt es nur Süßes und Knabberzeug. Sie erzählt uns, dass kaum Touristen kommen und ist natürlich deprimiert angesichts der Lage. Wir machen uns, es ist nun Mittag, auf den Rückweg. Kurz vor Schluss, als wir schon fast die Hoffnung aufgegeben haben, überhaupt ein Krokodil zu sehen, entdecken wir eins am Ufer! Wir fahren näher heran. Dann gleitet es aber nach kurzer Zeit ins Wasser, vielleicht fühlte es sich durch uns erschreckt, und wir beobachten, wie es langsam davonschwimmt.
Einer der nächsten Stops ist Savanna-la-Mar. Ich schwimme abends, nachdem wir angekommen sind, zu einem Steg dort, der durch den Hurrikan ziemlich mitgenommen wurde. Am Steg halten sich mehrere junge Jamaikaner auf, zeigen ihre Sprungkünste und toben herum. Als ich „kleine weiße Frau“ dort schwimmend ankomme, begrüßen sie mich, fragen gleich, ob ich nicht Angst habe. Wovor? Antwort: Sharks! Und dann lachen sie. Ich nehme das natürlich nicht so ernst, da sie albern sind angesichts der fremden schwimmenden Frau.
Am nächsten Morgen stehe ich in der Frühe mit Bernd auf dem Boot und wir schauen aufs Wasser, da ich gleich auch noch raus zum Steg schwimmen möchte. Plötzlich sehen wir keine zwei Meter von unserem Boot entfernt auf dem Grund einen Hai! Bernd erklärt mir, dass es ein Ammenhai sei. Dieser Hai ist eher träge und schläft vermutlich dort auf dem Grund, ist nicht gefährlich. Hätte ich die Information nicht vorher gehabt, hätte ich einen gehörigen Schrecken bekommen, wenn ich ins Wasser gegangen wäre und plötzlich dieses Tier auf dem Meeresgrund gesehen hätte.
So steige ich gelassener ins Wasser und beobachte den Hai von der Wasseroberfläche. Langsam schwimmt er weg. Ich schwimme Richtung Steg und nach wenigen Metern befinde ich mich plötzlich in einem Riesenschwarm von Millionen kleinen Fischen. Im ersten Moment fühlt es sich ziemlich mulmig an, aber auch diese Gesellen tun mir nichts, sondern gleiten elegant an mir vorbei.
Am Steg sind weitere junge Einheimische im Wasser, die mich neugierig fragen, wo ich herkomme, usw. Mit ihnen kommt man leicht in Kontakt. Später am Vormittag fahren wir drei mit dem Dinghi Richtung Steg und wollen irgendwo anlegen, um im Ort einzukaufen. Ehe wir uns versehen, schwingen sich fünf jamaikanische Jungen auf unser Boot und fahren mit uns und suchen gemeinsam eine Stelle, wo wir andocken können.
Im Ort gehen wir einkaufen, ein junger Jamaikaner begleitet uns netterweise und hilft mit unsere Einkäufe zum Boot zurückzutragen. Im Ort auf dem Markt werde ich zu meiner Überraschung begrüßt, es sind die jungen Jamaikaner:innen, mit denen ich im Wasser Bekanntschaft gemacht hatte. Mit „Hello, I know you … from the water“ werde ich begrüßt und merke, dass ich hier offenbar im Ort schon ziemlich bekannt bin.
Auf dem Markt in Savanna kaufe ich Scotch Bonnet, eine wie eine kleine Paprika aussehende Chilisorte. Auf dem Markt hatte man mir schon gesagt „Vorsicht scharf!“. Ich lese nach, tatsächlich es ist eine karibische Chilisorte, die ihren Namen von ihrer Form hat, die an eine traditionelle schottische Mütze erinnert. Mit einem Schärfegrad von 150.000 bis 300.000 Scoville ist sie extrem scharf und zeichnet sich gleichzeitig durch ein fruchtig aprikosiges Aroma aus, wenn man sie roh verzehrt. Beim Kochen allerdings verschwindet diese fruchtige Note.
An einem Abend möchte ich Jerk Chicken auf dem Boot zubereiten. Da ich vorher schon die Schärfe dieser Sorte probiert habe, möchte ich das Essen nicht so super scharf machen. Allerdings nehme ich dann doch zu wenig von der Scotch Bonnet, so dass das Essen nicht besonders scharf ist.
Wir segeln nach Pidgeon Island, einer typischen karibischen Insel mit weißem Sandstrand. Dort soll es u.a. für Schnorchler toll sein. An den beiden Riffen entdecken wir allerdings nicht so viel bewundernswertes, außer einigen schwarz-gelb-gestreiften und dunkelblau-gelben Fischen. Als ich an dem zweiten Riff weiterschwimme, zeigt sich doch endlich noch eine große Schildkröte neben mir.
Am nächsten Morgen beim Schwimmen in Strandnähe sehe ich plötzlich einen Stachelrochen unter mir im niedrigen Wasser. Ich beobachte ihn, allmählich schwimmt er in seinen typischen Wellenbewegungen davon. Als ich später Freunden davon erzähle, sind sie leicht erschrocken und klären mich auf, dass einmal ein bekannter Meeresbiologe bei Forschungen in der Meereswelt durch einen Stachelrochen umgekommen ist. Gut, dass ich es nicht vorher wusste.
Auf Pidgeon Island gibt es außerdem noch ein Fischercamp. Die Fischer, mit denen wir uns abends unterhalten, wollen uns am nächsten Morgen frisch gefangenen Fisch bringen. Am nächsten Morgen hält tatsächlich das Fischerboot an unserem Joline und wir erhalten gegen Whiskey, Benzin und Bargeld frische Fische, die der Fischer sorgfältig ausnimmt. Abends können wir den leckeren Fisch vom Grill genießen.
Meine letzte Station ist die Hauptstadt Kingston mit ca. 600.000 Einwohnern. Wir liegen vor einem Yachthafen in unmittelbarer Nähe zum Flughafen, denn von dort werde ich wieder nach Hause fliegen. Mit dem Bus fahren wir eine halbe Stunde in die Stadt rein um uns Kingston anzusehen. Wir entscheiden uns auf den Besuch des bekannten Bob Marley-Museums zu verzichten, stattdessen durch die Altstadt zu laufen bis zur Promenade. Die Altstadt ist voll von Buden, es gibt alles Mögliche zu kaufen, Kleidung, Souvenirs, usw. Wir gehen zum Essen in ein Restaurant an der Promenade, wo wir im ersten Stock sitzend einen Ausblick auf den Flughafen und unser Boot haben.
Da Petra und Bernd eher zurück zum Boot wollen, sie haben ja noch die nächsten Tage Zeit für die Stadt, schlendere ich auf eigene Faust noch weiter durch die Stadt, erstehe einige Shirts in Jamaica-Optik und die letzten Souvenirs für zuhause. Da ich am frühen Abend auf den Bus länger warten müsste, nehme ich für den Rückweg zum Yachthafen ein Taxi. Der Taxifahrer Anthony hat allerdings einen heißen rasanten Stil, klatscht zu Reggae-Musik ausgelassen am Steuer, was mir nicht geheuer ist. Am nächsten Morgen in aller Frühe soll er mich zum Flughafen bringen. Diesmal scheint er müde zu sein, vom Tanzen am Steuer keine Spur und er bringt mich sicher die wenigen Minuten zum Flughafen. Meine tolle Zeit auf Jamaica geht nun leider zuende!
Sabine