Die Meerechse von Galápagos – ein Drache, der Salz niest
Wer zum ersten Mal eine Meerechse auf Galápagos sieht, könnte fast meinen, ein kleiner Dinosaurier sei gerade aus einem Vulkan gekrochen. Schwarzer, stacheliger Rücken, kräftige Krallen, abgeflachter Schwanz und ein Kopf, der oft von einer weißen Salzkruste umrahmt ist – besonders hübsch ist sie nicht.
Aber genau das macht sie so faszinierend.
Die Meerechse von Galápagos (Amblyrhynchus cristatus) ist weltweit einzigartig: Sie ist die einzige Echse, die regelmäßig im Meer nach Nahrung sucht. Sie lebt ausschließlich auf den Galápagos-Inseln und hat sich perfekt an ein Leben zwischen heißem Lavagestein und kaltem Pazifikwasser angepasst.
Vom Land ins Meer
Und hier beginnt eine erstaunliche Evolutionsgeschichte.
Die Vorfahren der Galápagos-Iguanen kamen ursprünglich vom südamerikanischen Kontinent. Vermutlich erreichten sie die abgelegenen Inseln auf schwimmenden Pflanzen- oder Vegetationsflößen. Auf den jungen, vulkanischen Inseln war Nahrung an Land allerdings knapp. Über Millionen Jahre passten sich die Tiere deshalb an eine ungewöhnliche neue Nahrungsquelle an: Algen im Meer.
auf ihrer Haut wirken wie kleine Ornamente
Aus einer Landleguanen-Linie entstand so schließlich die Meerechse. Sie ist die einzige Echse der Welt, die aktiv im Meer nach Nahrung taucht.
Das Ergebnis ist ein Tier, das an Land eher unbeholfen wirkt, sich im Wasser aber erstaunlich elegant bewegt.
Ein Vegetarier, der taucht
Meerechsen ernähren sich hauptsächlich von roten und grünen Algen. Mit ihrem kurzen, stumpfen Maul und den kleinen Zähnen raspeln sie die Algen von den Felsen.
Größere Tiere können dabei weiter hinaus ins Meer schwimmen und sich mit ihren kräftigen Krallen an Felsen festhalten, während kleinere Meerechsen meist in geschützteren Bereichen bleiben.
🤧 Warum niest die Meerechse Salz?
Das ist wahrscheinlich einer der lustigsten Fakten über Galápagos.
Beim Fressen nimmt die Meerechse zwangsläufig große Mengen Salzwasser auf. Das wäre für ein Landreptil ein echtes Problem.
Doch die Meerechsen besitzt spezielle Salzdrüsen. Sie filtern überschüssiges Salz aus dem Körper und scheiden es über die Nasenöffnungen aus.
Deshalb sieht man bei manchen Tieren eine regelrechte weiße Salzkruste auf der Nase und am Kopf.
Und wenn die Meerechse kräftig ausatmet, sieht es tatsächlich so aus, als würde sie Salz niesen.
Ein kleiner „Salzdrache“ also.
Ihr größtes Problem: das kalte Meer
Für die Meerechse ist das ein Dilemma:
Im Meer gibt es meistens reichlich Nahrung – aber das Wasser entzieht ihrem Körper Wärme.
Deshalb sieht man Meerechsen häufig dicht zusammengedrängt auf schwarzen Lavasteinen liegen.
Sie sonnen sich regelrecht auf.
Obwohl Galápagos direkt am Äquator liegt, ist das Meer rund um die Inseln teilweise erstaunlich kalt. Dafür sorgen die kalten Meeresströmungen, die nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe nach oben bringen.
Ihre dunkle Haut hilft ihnen dabei, die Wärme der Sonne aufzunehmen. Erst wenn die Körpertemperatur wieder hoch genug ist, geht es zurück ins Meer zum Fressen.