SY Joline - Technik und Ausstattung

Bilddokumentation: Katamaran Joline auf dem Trockendock – Vorbereitung auf die große Überfahrt in die Karibik

26.07. – 01.08.2023

Seit wir Joline gekauft hatten, haben wir uns die Option offen gehalten, das Boot aus dem Wasser zu holen, sofern dies notwendig werden sollte.

Bei einem Katamaran wie unserer Joline, einer Lagoon 421, mit immerhin 7.5m Breite, ist die Auswahl der Marinas bzw. Bootswerfen, die über entsprechende Kräne verfügen, stark eingeschränkt. Nachdem wir in Didim in der Türkei und später auch in Hammamet keine dringend anstehenden Arbeiten am Unterwasserschiff hatten und auch das Antifouling noch gut war, kam jetzt auf den Kanaren erstmalig das große Ereignis. Bereits im Vorfeld hatten wir einen Krantermin in der Marina Lanzarote in Arrecife gebucht. Übrigens die einzige Marina auf den Kanaren, die Joline ohne Probleme aus dem Wasser bekommen würde.

Alles war im Vorfeld minutiös abgestimmt und doch kam es anders. Am 25.7.2023 vormittags war unser geplanter Krantermin. Morgens lag dann jedoch ein anderes – deutlich größeres -Schiff in dem für uns reservierten Traveler – Lift und wir sollten einen Tag warten. Da dies unsere gesamte Planung über den Haufen geworfen hätte, suchten wir nach einer Alternative. Es gab noch einen kleineren Lift mit einem entsprechend kleineren Becken von nur 8m Breite. Nach in Augenscheinnahme entschieden wir uns, die Sache in Angriff zu nehmen, auch wenn die Zufahrt verdammt eng war.

Einfahrt zur Werft. Im hinteren Bereich 8m breit, vorne 12m mit einer Mauer die schräg ins Wasser geht.

Als wir gegen Mittag den Aufruf bekamen, dass alles für uns vorbereitet sei, machten wir uns auf den Weg. Bei 30 Kn Seitenwind rückwärts in eine enge Bucht ist wirklich kein Vergnügen. Leider streikte dann zu allem Überfluss noch die Kupplung unseres Backbord – Motors und wir mussten den Versuch schweren Herzens abbrechen. Mit nur einer Maschine hatten wir bei dem Wind keine Chance das Manöver erfolgreich zu fahren.

Nachdem wir wieder sicher am Steg vertäut lagen, machte ich mich also direkt an die Arbeit, das Getriebe zu zerlegen um die Kupplung zu läppen. Diese Wartung muss zwar turnusmäßig gemacht werden, ich hatte sie jedoch für die Zeit in der Werft geplant. Am späten Abend waren die Arbeiten endlich abgeschlossen und wir waren wieder vollständig manövrierfähig.

Kegelkupplung Yanmar SD50 ausgebaut. Diesmal hatten wir alles Werkzeug an Bord um die Arbeit allein durchzuführen.

Am nächsten Morgen bestätigten wir der Werft, dass wir bereit für einen zweiten Versuch sind. Eine Stunde später machen wir uns wieder auf dem Weg. Die Windverhältnisse waren gleichermaßen bescheiden, aber im zweiten Anlauf schafften wir es, Joline trotz Seitenwind ohne Blessuren in das enge Hafenbecken zu steuern.

Geschafft – nur noch wenige Meter und wir sind über den Haltegurten des Portalkranes, welcher Joline aus dem Wasser heben wird.

Die Crew der Marina steht bereit um das Manöver routiniert und professionell durchzuführen. In der Marina gehen jede Woche mehrere Boot rein und raus.

Trotz vieler helfender Hände ist es bei dem starken Seitenwind fast unmöglich das Boot von den Traversen fernzuhalten um Schäden zu vermeiden – ganz schön knapp.
Selbst die Dimensionen des kleinen Traveller Liftes sind beeindruckend.
„When you are in, you know if your boat is 7.5m“ – grosse Worte gelassen ausgesprochen vom Chef der Werft. Links und rechts passt nicht mal mehr ein Fender.

Als unser Katamaran endlich in den Gurten des Krans hängt sind wir doch ein bisschen erleichtert, jetzt müssen die rund 14 Tonnen nur noch aus dem Wasser gehoben werden, was für den Kran kein Problem darstellen sollte.

Joline sicher fixiert in den Gurten des Traveller – Liftes.
Joline wird vom Lift aus dem Wasser gehoben und sicher an Land abgestellt.
Minuten später schwebt Joline schon über dem Becken.
Nach über zwei Jahren im Wasser hat das Meer seine Spuren hinterlassen.

Sobald das Boot aus dem Wasser ist, beginnen die Werftarbeiter mit der eigentlichen Arbeit. Zunächst müssen Rumpf, Ruder und Propeller von den Meeresbewohnern, die sich zahlreich niedergelassen haben, befreit werden. Den ersten Teil macht ein kräftiger Hochdruckreiniger. Dann muss der Rumpf erst einmal bis zum nächsten Tag trocknen, um dann mühsam von Hand geschliffen zu werden. Wir sind froh, dass wir diese Arbeiten nicht selbst durchführen müssen.

Nach dem Dampfstrahlen wird das alte Antifouling angeschliffen.
Wir haben uns dazu entschlossen erst 2 Schichten rot und dann wieder zwei Schichten blau streichen zu lassen. So können wir das Fortschreiten des Verschleißes besser beurteilen.
Auch die Opferanoden aus Zink werden ersetzt.

Da wir nicht auf dem Boot wohnen können, solange es in der Werft liegt, haben wir für die Zeit ein Zimmer in einer kleinen Pension am anderen Ende von Arrecife gemietet. Wir lassen Joline in guten Händen zurück und beziehen unser Quartier für die nächsten Tage. An ausschweifende Landausflüge ist in der Zeit jedoch nicht zu denken. Schließlich bin ich jeden Tag am Boot und führe etliche Arbeiten selbst durch. Der positive Nebeneffekt ist es, dass ich mitbekomme, was die Werft so treibt und gleich eine Qualitätskontrolle machen kann.

Neue Drehflügelpropeller von SPW

Auf der Boot Messe in Düsseldorf hatte ich mir verschiedene Alternativen zu den verbauten Festpropellern angesehen. Letztlich haben wir uns für die Drehflügelpropeller Variprob von SPW aus Bremerhaven entschieden. Die Propeller haben vorwärts und rückwärts den gleichen Schub und drehen sich bei Nichtbenutzung in die „Segelstellung“, was bedeutet, dass sie deutlich weniger Wiederstand erzeugen und die Wellen der Saildrives nicht mitdrehen müssen. Ergo: Weniger Verschleiß und absolute Stille während des Segelns.

Die neuen Propeller bekommen einen Anstich mit Hempel Silic one, einer Silikonbeschichtung, die besonders glatt sein soll und an dem Meeresorganismen nicht ansiedeln sollen.
Saildrive ist abgeschliffen, Propeller abgebaut
Die alten Festpropeller sind noch top – die finden bestimmt noch an einem anderen Boot Verwendung
Drehflügelpropeller sind gestrichen und montiert. Antifouling in blau ist ebenfalls fertig. Es kann zurück ins Wasser gehen.

Letzte Arbeiten – Gelcoat

Weil Joline so schnell nicht mehr aus dem Wasser kommt, habe ich den Samstag und den Sonntag dazu genutzt, die Seiten der Rümpfe zu polieren. Insgesamt musste die gesamte Fläche in 4 Arbeitsschritten aufgearbeitet und neu versiegelt werden. Eine wirklich anstrengende Arbeit; das Ergebnis kann sich jedoch sehen lassen.

Ein paar kleinere Blessuren haben wir parallel von einem Fachmann reparieren lassen, dafür hätte unsere Zeit nicht mehr ausgereicht.

Endlich glänzt der Rumpf wieder. Der Gelcoat ist gut geschützt für die nächste Zeit.
Neben dem großen Traveller Lift sieht unsere Joline aus wie ein Spielzeugboot.

Zurück ins Wasser

Nach 6 sehr arbeitsreichen Tagen ist es so weit. Alles ist planmäßig fertig, so dass Joline wieder zurück ins Wasser kann. Alles? Naja, zumindest alles wofür wir an Land mussten. Wir haben neue Borddurchlässe, Drehflügelpropeller montiert, Antifouling erneuert, Gelcoat ausgebessert und poliert. Die Liste der Arbeiten, die wir vor unserer Atlantiküberquerung noch machen müssen ist nach wie vor lang. Dazu aber später mehr…

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass alle Arbeiten schnell, professionell und im Budget durchgeführt wurden und wir rundherum zufrieden waren.

PS: Joline segelt jetzt wieder deutlich schneller und die neuen Propeller sind wirklich klasse.

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