
Karibik – Tagebuch – Band II – Nr. 21
03.03. – 08.03.2025
Willkommen im Sunshine State Florida…
Am Montagmorgen setzen wir in aller Frühe die Segel in Richtung USA. Es liegen zwar nur 55 Seemeilen vor uns und die Wetterbedingungen sind gut, aber wir müssen den Golfstrom kreuzen und der wird uns stark ausbremsen.
Nach rund 12 Stunden können wir dann vor Miami den Anker werfen. Die Segelbedingungen waren nicht schlecht, aber im Strömungsbereich des Golfstroms recht wellig.

Einen Ankerplatz in Miami zu finden ist gar nicht so einfach, das Stadtgebiet mit Umland ist zwar sehr weitläufig und beherbergt mehr als 6 Millionen Menschen – aber für Segler, die keine Marina nutzen wollen, gibt es nur wenige Ankermöglichkeiten, vor allem mit einem Dinghydock. Doch diesmal haben wir Glück, wir finden vor der Dinner Key Marina ein Plätzchen – hier müssen wir im sehr flachen Wasser zwischen verschiedenen gesunkenen Wracks, die durch Bojen markiert sind, vorsichtig navigieren. Hier soll das einzige frei nutzbare Dinghydock zum 01.03.2025 neu eröffnet worden sein – na wer sagt´s denn…

Einklarieren konnten wir ganz modern mittels CBP Roam App online – jetzt haben wir 24 Stunden Zeit persönlich bei der Immigration vorstellig zu werden.
Die Einwanderungsbehörde für Seefahrer befindet sich im Kreuzfahrtschiffterminal – das ist eine ganze Ecke entfernt und in Miami sind die Wege lang. Allerdings soll die Stadt über ein weitläufiges – kostenloses – öffentliches Verkehrsnetz verfügen…
Also machen wir uns am nächsten Morgen auf unser strammes Tagwerk zu absolvieren. Der Start klappt gut, es gibt tatsächlich ein niegelnagelneues Dinghydock und wir finden direkt ein Plätzchen. Ein anderer einheimischer Geselle hat hier auch schon ein Plätzchen gefunden – ein kleines Krokodil sonnt sich auf der betonierten Abwasserleitung…

Als nächstes laufen wir zum Haltepunkt für die Trolleys, das kostenlose öffentliche Fahrnetz in Miami – auch das klappt hervorragend und so sitzen wir schon bald im ersten Wagen und es geht Richtung Innenstadt. Miami begeistert. Interessante Hochhausbauten und gepflegte Grünflächen überall. Es ist weitläufig und beeindruckende Riesenbäume stehen am Wegesrand. Es grünt und blüht überall. Dann noch einmal umsteigen in die nächste Linie und wir haben das Kreuzfahrtterminal erreicht. Hier herrscht überraschend Totentanz.

Das liegt daran, wie uns der Uberfahrer auf der Weiterfahrt in Kenntnis setzt, dass montags und dienstags keine Kreuzfahrtschiffe in Miami anlaufen. Gut für uns, so sind wir schnell am Einklarierungsschalter. Der Beamte vor Ort ist freundlich und wir können auch problemlos einreisen – hinterlassen unsere Fingerabdrücke und können nun offiziell in den USA verweilen. Mit dem Boot ist es komplizierter – wir bekommen Unterlagen und sollen den Rest online abwickeln… Nun gut.

Weiter geht es mit dem Uber zur Postsammelstation – hierhin hat Bernd diverse Bestellungen geleitet und die neuen Lithiumbatterien. Ganz Miami verfügt über genau einen Sammelspot, ein kleiner Handyladen der mit unseren Paketen schon gut vollgeräumt ist. Der Handyladenbesitzer nimmt es gelassen. Mit den Paketen sammeln wir hier auch Florian ein, er hat uns auf unserer ersten Überfahrt von der Türkei nach Tunesien begleitet und da er Elektroingenieur ist, ist er genau der Richtige um unser Boot umzurüsten. Er wird uns die nächsten drei Wochen begleiten und Joline elektronisch auf Stand 2.0 erheben. Vielleicht…
Aber erst einmal nutzen wir die Gelegenheit in einem amerikanischen Foodtruck ein Mittagessen zu uns zu nehmen. Wir essen Wraps, Burger und Fries und Bernd und ich schwelgen in Erinnerungen – Florida war unsere erste gemeinsame Fernreise, damals 1989 als wir uns kennen gelernt haben… Ob wir noch etwas wieder erkennen werden?
Mit dem Uber XL, vielen Paketen und Florian im Gepäck geht es dann zurück zum Dinghy Dock und dann auf Joline. Kaum an Bord angekommen fangen Bernd und Florian an hochmotiviert die Pakete aufreißen und die Beute auszupacken.

Die Batterien sollen in der hinteren Steuerbordkabine unter der Bettenanlage verbaut werden. Also wird alles auseinandergebaut und schon nach kurzer Zeit ist auf dem Boot Ausnahmezustand – alles liegt voller Kartons, Werkzeug und Materialien… alles sehr heimelig.

Florian hat Pläne ausgearbeitet um das Elektroequipment optimal im Stauraum zu verbauen. So wird der Katamaran französischer Bauart, israelischer Erweiterung, türkischer und spanischer Solaraufrüstung auf deutschen Ingenieurstandard umgerüstet… Was als Erstes heißt – es gibt keinen Strom und kein Starlink… Also lese ich erstmal ein Buch.

Mit in den Paketen – Vollgummireifen für unsere E-Roller. Diese müssen weichgekocht – im wahrsten Sinne des Wortes – und dann aufgezogen werden. So kocht in den nächsten Stunden jeweils ein Gummireifen auf dem Herd und am Freitag ist mein E – Roller wieder in Betrieb.

Zeit für mich eine erste Erkundungstour durch Coconut Grove, dem Stadtteil an der Marina zu machen. Ich erkunde die Gastronomie und gönne mir ein argentinisches Eis von italienischem Rezept inspiriert – superlecker, superteuer…

Der Sunshine State zeigt sich von seiner sunless side und wir sitzen zwei Tage bei Regen und bedecktem Himmel…
Aber der Samstagmorgen begrüßt uns wieder mit Sonnenschein, gerade rechtzeitig bevor die nächsten Mitsegler an Bord kommen – Susi und Gordon – Wiederholungsmitreisende, die uns zuletzt auf den Kanaren begleitet haben. Zum Glück landet ihr Flieger erst am Nachmittag, so haben wir am Vormittag noch Zeit, das Boot wieder wohnlich zu machen… Anschließend geht es nochmal auf Tour – im Handyshop die Nachzüglerpakete einsammeln – das dauert mit öffentlichen Verkehrsmitteln ganz schön lange und so kommen wir erst kurz nach den beiden wieder am Dinghydock an…

Susi und Gordon sind noch voller Tatendrang und so nutzen wir den Samstagabend noch um Coconut Grove unsicher zu machen. Ich hatte eine Pizzeria mit Happy Hour ausgemacht – doch als wir kurz nach 18 Uhr dort einlaufen müssen wir feststellen, dass das andere auch geschafft haben und so finden wir keinen Platz mehr. Also laufen wir weiter zu einem Food Truck Park – hier soll es Speisen, Getränke und Livemusik geben. Es gibt Essen und Trinken und chillige Musik aus den Boxen – das Essen ist gut, die Musik auch, aber wir sind fast die einzigen Gäste… naja, die Lokation hat wohl erst den zweiten Abend auf und muss erst noch bekannter werden, sagen die Veranstalter … So können wir den Abend in Ruhe genießen und Susi und mir wird noch ein Gläschen Weisswein zum Weltfrauentag spendiert…

Die Crew für die nächste Tour ist nun komplett – jetzt wollen wir noch ein bisschen gemeinsam Miami erkunden und uns Proviantieren…

