Tagebuch ARC 2023

ARC 2023 Tagebuch – Tag 1

Ihr geht doch mit der ARC ?…

06.11.2023

Skipper Bernd ist schon früh auf den Beinen. Bevor ich meinen ersten Kaffee bekommen habe, hat er schon die bestellten Segel durch das Nadelöhr Zoll gelotst. Jetzt ist mit der Lieferung innerhalb der nächsten 2 Tage zu rechnen.

Um 9 Uhr öffnet das Anmeldebüro und ich beschließe, nicht gleich als erstes dort aufzutauchen um der erwarteten Schlange zu entgehen.

Also erst einmal Frühstück und Schlachtplan für den Tag entwerfen.

Mein Plan geht nicht auf – als ich kurz nach 10 Uhr den Bürocontainer erreiche, gibt es zwar keine Schlange, aber eine Terminliste und da ist für heute kein Platz mehr…

Aber Morgen um 9 Uhr kann ich direkt den ersten Termin haben…um keine Hektik aufkommen zu lassen entscheide ich mich für den Termin um 11 Uhr. Man muss ja realistisch bleiben… frau auch…

Dafür kann ich aber direkt die Buchungen vornehmen für die Seminare und die Dinnertermine. Mit reichlich Ticketbeute kehre ich zum Boot zurück. Das wäre schonmal geschafft.

Bernd konnte zwischenzeitlich mit dem Rigger Kontakt aufnehmen, der Anfang August bereits auf unserem Boot war und die Erneuerung der Wanten durchführen soll. Allerdings sind für die nächsten Tage heftige Windböen angesagt, da kann am Mast nicht gearbeitet werden – aber wir stehen auf Platz 1 ihrer To-Do-Liste – sobald das Wetter es zulässt, sind die Handwerker bei uns an Bord.

Ein Handwerker für den defekten 220 Volt Inverter ist auch gefunden….“Ihr geht mit der ARC“? Klaro – also wird die Reparatur zeitnah in Angriff genommen…

Bernd beginnt mit dem Ausbau des defekten Inverters und ich kümmere mich um die Wäsche -die Waschmaschine hat ja jetzt auch wieder Strom.

Wir liefern den defekten Inverter zur Reparatur ab und auch gleich die Feuerlöscher zur Wartung – es geht voran.

Liegekissen können auch gefertigt werden – werden also kurzentschlossen bestellt.

„Geht ihr mit der ARC?“, eine Frage die hier jetzt allerorts gestellt wird. Wer mit der ARC geht, verlässt am 19.11. den Hafen – wer dazu gehört hat Vorrang bei allen Arbeiten. Die Spanier arbeiten in allen Gewerken auf Hochtouren.

Der kleine Ersatzinverter, den wir bereits in La Gomera gekauft hatten, nur um festzustellen, dass er defekt war ( da war das günstige Auslaufmodell doch kein Schnäppchen und kein Retter in der Not) wird kulant beim hiesigen Vertragshändler umgetauscht – gleich als Upgrade auf das aktuelle Modell ohne Aufpreis… Glück im Unglück…läuft.

Die Bootseigner schleppen ständig Material zu ihren Booten. Alle sind sehr geschäftig.

Der Wind läßt sich noch Zeit und so kommen schon die Rigger und beginnen ihre Arbeit. Hochmotiviert wie sie sind, reißen sie dabei gleich ein Seil vom Seezaun ab – zum Glück ohne den vollen Wäscheständer im Meer zu versenken, der daran angebunden ist.

Der Rigger ist untröstlich, faltet die Hände um Vergebung bittend und schaut bemüht unschuldig – gelobt schnellstmöglich ein Ersatzseil zu beschaffen….manana…Morgen oder manana – manana… „Ihr geht doch mit der ARC?

Der Wäscheständer wandert von Steuerbord nach Backbord – alles ist wieder im Flow und die Rigger machen gleich mal Überstunden, uns verbindet jetzt das schlechte Gewissen…

Zwei junge Männer kommen über den Steg und gehen von Boot zu Boot, sie bieten ihre Arbeitskraft an im Austausch mit einem Tagestörn – Hilfe können wir natürlich gebrauchen, aber für einen Segeltag haben wir keine Zeit.

Überhaupt hängen an den schwarzen Brettern in der Marina unzählige Nachfragen von Segelinteressierten, die noch einen Platz für eine Überfahrt über den Atlantik suchen und sich und ihre Fähigkeiten anpreisen. Aber unser Boot ist voll – wir haben unsere Crew schon im Januar gecastet. Mit einer Besatzung von 7 Seglern gehören wir schon zu den mannschaftsstärksten Booten.

Am Abend findet der erste Sundowner in der Nautic Bar statt. Alle ARC – Teilnehmer sind geladen zum Stelldichein. Zwei Freigetränke vom Sponsor.

Bevor wir loskommen frischt der Wind mächtig auf. Wir verzurren erstmal alles fest an Bord und bringen den Wäscheständer unter Dach. Die Monohull gegenüber kommt ob der starken Winde kaum auf ihren Liegeplatz, die Bootsnachbarn eilen zur Hilfe, vielleicht auch zum Selbstschutz und das Marinero-Dinghi versucht das Boot in Position zu drücken – oder Schlimmeres zu verhindern…

Wir machen uns auf zum Sundowner – von Steg K haben wir kurze Wege. Ab 18:30 Uhr – 20:00 sammeln sich die ersten Segler an der Nauticbar.

179 Boote, rund 1000 Segler sind angemeldet – aber noch sind nicht alle da. Aber die Lokation unter freiem Himmel – mit leichtem Regen – füllt sich zügig und das Stimmengewirr schwillt an. Gesprochen wird überall Englisch, die erste Frau mit der ich versuche auf Englisch ins Gespräch zu kommen stellt sich als Petra vor – dann also doch in Deutsch.

Die Crew ist nicht nur Deutsch, nein sie kommt auch vom Niederrhein, wohnt bei uns zu Hause umme Ecke… wie klein ist doch die Welt.

Wir quatschen uns fest, bekommen Segeltipps von Wiederholungsseglern und schließen erste Kontakte.

Einige haben die Atlantiküberquerung schon einige Male gemacht und wissen einiges zu berichten. Der erfahrenste Atlantiküberquerer ist jedoch der Leguan Ed – er hat die Fahrt bereits 30 Mal gemacht und ist wieder dabei. Ein Boot hat ihn von der ARC – Leitung in Empfang genommen – er darf jetzt dort mitfahren und wird in St. Lucia wieder ausgehändigt, für die Rücktour… auf den Fotos sieht er ganz glücklich aus…

Der norwegische Katamaran, der mit uns von Teneriffa gesegelt ist, ist auch vor Ort und liegt mit seiner Familie am Kindersteg.

Er will auch den Winter in der Karibik bleiben und dann auf den ABC – Inseln die Hurrikansaison abwettern – das haben wir auch ins Auge gefasst…

Erstmal weiss er zu berichten, dass sich in Bequia – eine Insel der St. Vincent und die Grenadinen – Nachbarinsel unseres Zielortes St. Lucia, die Boote sammeln zur Weihnachtsfeier – klar wo sonst?… er geht von mindestens 50 Booten aus, die dort gemeinsam feiern werden… ich werde das mal im Auge behalten…

Der Tag neigt sich dem Ende, der Wind hat sich zur Nachtruhe begeben – warten wir ab, was der nächste Tag so bringt…vielleicht ein Seezaunseil…

Translate »